Hamburgische Geschichten

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Oktober 2017

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Von der Alster-Stadt zur Elb-Metropole

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Vor 80 Jahren wurde das Groß-Hamburg-Gesetz verabschiedet. Durch das Gesetz wurden Veränderungen am Hamburger Staatsgebiet vorgenommen, die in Teilen noch bis heute bestand haben. – von Gerrit Klatt

Vor 80 Jahren verabschiedete die Reichsregierung das „Gesetz über Groß-Hamburg und andere Gebietsbereinigungen“. Mit diesem Gesetz wurde das Hamburger Staatsgebiet um Gemeinden aus den angrenzenden Ländern erweitert. Altona, Wandsbek, Wilhelmsburg und weite Teile Harburgs wurden Hamburg zugesprochen. Hinzu kamen unter anderem Teile Stormarns, Stades und Lüneburgs. Hamburg musste lediglich kleinere Gebiete wie Cuxhaven, Geestacht und Groß Hansdorf abtreten. Die Einwohnerzahl wuchs so von 1,2 Millionen auf 1,7 Millionen. Durch die Eingemeindung der Gebiete in Hamburg versprachen sich die Verantwortlichen eine bessere wirtschaftliche Entwicklung der Hansestadt.

Die Idee, das Hamburger Staatsgebiet zu erweitern, war keineswegs neu. „Das Hamburger Staatsgebiet war größten Teils ein Ergebnis mittelalterlicher Entwicklungen“, sagt Dr. Holger Martens, von der Historiker Genossenschaft, der zu diesem Thema geforscht hat. Doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs die Befürchtung, dass das bisherige Staatsgebiet die Entwicklung der Hamburger Wirtschaft beeinträchtigen könnte. Vor allem der Hafen war in den Jahren zuvor stetig gewachsen. Doch auch für die Ansiedlung neuer Industrien war immer weniger Platz vorhanden. In zwei Denkschriften aus den Jahren 1915 und 1919 legte der Hamburger Senat daher verschiedene Möglichkeiten einer Gebietserweiterung vor. Die Forderungen von 1915 umfassten ein Gebiet zwischen Köhlfleet und der Alten Süderelbe für die Entwicklung des Hafens. Für die Entwicklung des Wohngebietes war ein Gebiet zwischen den hamburgischen Walddörfern und dem Stadtgebiet vorgesehen.

Die Forderungen von 1919 waren ungleich größer. Neben Wilhemsburg und Harburg wurde auch die Angliederung Wandsbeks und Altonas gefordert. Hinzukommen sollte außerdem ein Streifen beiderseits der Elbe von Geestacht bis zur Mündung. In den umliegenden Gemeinden stieß der Hamburger Vorschlag auf offene Ohren. „Altona und Harburg erhofften sich durch den Anschluss an Hamburg bessere wirtschaftliche Perspektiven sowie eine bessere Infrastruktur“, erklärt Holger Martens. In Hamburg jedoch war ein Anschluss dieser beiden Gemeinden umstritten, da diese hochverschuldet waren. Zudem sah die preußische Regierung das Hamburger Vorhaben kritisch, da Hamburg seinerseits keine Gebiete abtreten wollte. „Wenn man nur haben möchte, aber nicht bereit ist zu geben, wird eine Lösung natürlich schwierig“, sagt Holger Martens.

In den folgenden Jahren kam es dennoch zu Verhandlungen. Preußen strebte bei diesen eine engere Kooperation zwischen den Gemeinden an, während Hamburg an den Gebietsforderungen festhielt. Dennoch konnten einige Fortschritte erzielt werden. So einigten sich beide Parteien auf eine gemeinsame Verwaltung der preußischen Häfen zwischen Norder- und Süderelbe durch eine gemeinsame Gesellschaft. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Kooperation eingestellt. „Beide Parteien verfielen in alte Muster, indem sie sich für das Scheitern gegenseitig die Schuld gaben“, sagt Holger Martens. „Die Kooperation war auf eine demokratische Beteiligung der umliegenden Gemeinden ausgerichtet. Dies passte nicht mit dem nationalsozialistischen Führerprinzip zusammen.“

Bewegung in die Frage nach Gebietserweiterungen für Hamburg kam erst 1936, bei einem Besuch von Hermann Göring in der Hansestadt. „Bei diesem Besuch wurde er wohl von Seiten der Hamburger auf die Möglichkeit von Gebietsveränderungen angesprochen“, sagt Holger Martens. Da Hermann Göring zu dieser Zeit Ministerpräsident von Preußen war, war es für ihn möglich die nötigen Prozesse in die Wege zu leiten. Innerhalb weniger Monate wurde so das Groß-Hamburg-Gesetz auf den Weg gebracht. Als Orientierung diente hierbei eine weitere Hamburger Denkschrift aus dem Jahr 1921. An den dort geäußerten Gebietsansprüchen wurden nur noch wenige Veränderungen vorgenommen. Des Weiteren wurden auch die Hamburger Bezirke neugeordnet. „Hierbei wurde sich an den Bezirken der NSDAP-Ortsgruppen orientiert.“, sagt Holger Martens. Am 26. Januar 1937 wurde das Gesetz schließlich verabschiedet und trat am 1. April in Kraft. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entstanden in Harburg und Altona Initiativen, die eine Loslösung aus Hamburg befürworteten. Eine Umsetzung der Forderungen scheiterte jedoch. Es wurde allerdings entschieden, die Bezirke nach den alten Städten zu benennen, um so den Initiativen entgegenzukommen. Unter den Nationalsozialisten waren diese lediglich nummeriert.

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