Hamburgische Geschichten

Dienstag

28

Februar 2017

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Uni online: Alte Geschichte ganz modern

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Open Education – die faszinierende Vorstellung eines bedingungslosen Bildungsangebots, bequem vom Bildschirm aus erreichbar. Erste Schritte zu dieser zunächst utopisch erscheinenden Idee werden im Moment durch die Hamburg Open Online University erzielt. – Von Lisa Hellriegel

Im März 2017 eröffnet die Hamburg Open Online University – der Arbeitsbereich Alte Geschichte ist vertreten. Tobias Nowitzki und seine Kollegen entwickeln unter der Leitung von Professor Werner Rieß ein online frei verfügbares Handbuch zur Alten Geschichte. Alle öffentlichen Hamburger Hochschulen und das Universitätsklinikum Eppendorf erarbeiten für die Hamburg Open Online University, kurz HOOU, knapp 60 Onlineseminare.

Die HOOU ist eine Onlineplattform, auf welcher Studierende, Lehrende, aber auch Menschen, die keinen Bezug zur Universität haben, verschiedenste Kurse aus unterschiedlichen Fachbereichen belegen können – von Medienkompetenz (angeboten von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften) über „StadtKulturen“ (HafenCity Universität) bis zu verschiedenen Angeboten der Geschichtswissenschaft der Universität Hamburg.

Von der Idee zur Ausführung …

Das E-Manual der Alten Geschichte besteht im Kern aus Podcasts. Sie bieten, angelehnt an Werner Rieß` Vorlesungsreihe, einen Durchgang durch die Alte Geschichte. Tobias Nowitzki und drei weitere Mitarbeiter unterstützen ihn dabei, indem sie das Begleitmaterial bereitstellen. Dieses besteht aus Quellen, Arbeitsmaterial, einem Glossar zentraler Begriffe und Sekundärliteratur. Hinzu kommen Metamaterialien zur geschichtswissenschaftlichen Arbeitsweise.

Wichtige Kriterien für die Auswahl der Quellen sind die Relevanz für die jeweilige Epoche sowie die gemeinfreie Verfügbarkeit. Teilweise gibt es bereits copyright-freie Komplettausgaben antiker Texte online, zu denen die Projektmitarbeiter einfach Links herstellen können. Diese Quellen erweitert Tobias Nowitzki um Leitfragen, mit denen alle drei Anforderungsbereiche des Lernens – Reproduktion, Kontextualisierung und Reflektion beziehungsweise Bewertung – abgedeckt sind. Das Handbuch ist für Nutzer im Selbststudium oder im Seminarkontext gedacht.

Alle Hamburger Hochschulen erarbeiten ein frei zugängliches Bildungsangebot / Bildnachweis: Hamburg Open Online University

… und zur Anwendung

Die Onlineressourcen erweitern das Präsenzstudium, ersetzen es nicht. Mit dem sogenannten „blended learning“ können Dozenten einzelne Sitzungen durch die Bearbeitung des online verfügbaren Materials ersetzen. Dies stellt besonders für Studierende, die unter einer Mehrfachbelastung durch Arbeit oder Kinder stehen, eine Erleichterung dar. Eine Betreuung durch den Dozenten wäre beispielsweise über Skype oder per Mail denkbar.

Während die Digitalisierung in der Forschung durch die Nutzung von Online-Datenbanken weitgehend angekommen sei, seien in der Lehre noch Skepsis und Ablehnung spürbar, beschreibt Nowitzki seine Erfahrungen. „Die HOOU ist außerdem eine Chance, die universitäre Lehre aus ihrem Elfenbeinturm herauszuholen“, sagt er. Bürgernähe ist Nowitzki wichtig. Auch die öffentliche Finanzierung aus Mitteln der Stadt Hamburg spielt dabei eine Rolle. „Man möchte den Bürgern ja schließlich etwas zurück geben“. Außerdem ließe sich gerade aus der Alten Geschichte viel lernen. Ein Beispiel sei das Thema Demagogie. „So wie die Athener im Peloponnesischen Krieg die Verantwortung für die Zerstörung der abtrünnigen Stadt Mytilene abgestritten und sie trotz dem Beschluss in der Volksversammlung auf die Verführung durch Demagogen geschoben haben, findet man heute auch Beispiele für die mangelnde Verantwortungsübernahme in der Demokratie.“

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