Hamburgische Geschichten

Dienstag

11

August 2015

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Hamburger Berg

Der Hamburger Berg ist heute eine Straße im Stadtteil Sankt Pauli und zweigt von der Reeperbahn nach Norden hin ab. Die Namensgebung dieser Straße hat zwei Geschichten.. Einerseits wird hier ein historischer Bezug zu der früheren Geografie der Gegend gezogen, andererseits heißt die Straße „Hamburger Berg“ erst seit 1938 so. Hierfür sind die Nationalsozialisten verantwortlich, die mit der Umbenennung der vormals „Heinestraße“ benannten Straße die Erinnerung an den jüdischen Kaufmann und Bankier Salomon Heine, Onkel und Förderer des Dichters Heinrich Heine, tilgen wollten. Heine stiftete 1839 in Andenken an seine 1837 verstorbene Frau gegenüber dem Nordende dieser Straße das Israelitische Krankenhaus, das ab 1841 auf dem Gelände des ehemaligen Pesthofes am Hamburger Berg erbaut wurde. Das Gebäude steht heute noch an derselben Stelle.
Der Pesthof, der nach Pestausbrüchen 1606 zwischen dem Hamburger Millerntor und dem Altonaer Nobistor errichtet und 1797 per Senatsdekret in „Krankenhof“ umbenannt wurde, beherbergte zeitweise bis zu 1100 Patienten. Die meißten waren allerdings keine Pestkranken, sondern psychisch Kranke und an Fieberkrankheiten Leidende. Der trotz Umbenennung besser als Pesthof bekannte Bau wurde 1813 von der französischen Besatzung Hamburgs abgerissen. In Erwartung der alliierten Truppen der antifranzösischen Koalition ließ der damalige Kommandant Hamburgs, Marschall Louis Nicolas Davout, alle Gebäude auf dem Glacis, dem Schussfeld vor den Stadtmauern Hamburgs abreißen- inklusive der „Vorstadt Hamburger Berg“, die zwischen Hamburg, der Stadt Altona und der Festung „Sternschanze“ lag.
Nach dem Abzug der französischen Truppen wurde der Hamburger Berg schnell wieder von den bisherigen Betrieben und Etablissements bezogen und hergerichtet. 1839 dürfte unsere beiden Reisenden also schon wieder reger Verkehr in der Gegend erwartet haben.

Altona Rathaus/Kirche

Altona ist heute als Bezirk im Westen Hamburgs bekannt, und zumeist im Fokus ist hier das Gebiet um den heutigen Bahnhof Altona und das Altonaer Rathaus. 1839 allerdings war dieses Gebiet noch eher Altonas Peripherie und direkte Grenze zum benachbarten Dorf Ottensen. Wo heute der Altonaer Bahnhof, der Platz der Republik und das Rathaus sind, war 1839 noch so gut wie nichts. Die Christian VII. Ostseebahn- die sich hier später erstreckte- wurde erst ab 1842 gebaut und das Areal lag näher an Ottensen als am eigentlichen Altona.
Damals erstreckte sich Altona auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Altona Altstadt- Natürlich sah es damals noch ganz anders aus als heute: Die Königstraße, an der Hermann und Behrmann entlang nach Ottensen wanderten, war neben der Palmaille die Hauptstraße Altonas zu dieser Zeit. Nachdem Altona 1664 vom dänischen König zur Stadt erhoben wurde, wuchs es als Konkurrenz zu Hamburg schnell heran und war nach Kopenhagen bald die zweitgrößte Stadt im dänischen Herrschaftsbereich. Als solche geriet Altona 1713 auch in den Großen Nordischen Krieg, in dem sich Russland, Dänemark und Polen gegen die damalige Ostsee-Hegemonialmacht Schweden zusammenschlossen. Die Stadt wurde in diesem Jahr von den Schweden systematisch niedergebrannt, die damals üblichen Fachwerkhäuser brannten wie Zunder und Altona war zum allergrößten Teil zerstört.
Im selben Jahr wurde mit dem Wiederaufbau auf dem bereits vorhandenen Straßengrundriss begonnen. Der holsteinische Baumeister Claus Stallknecht wurde zum Stadtbaumeister bestellt und ließ die Stadt bis 1721 wiederaufbauen, allerdings nicht mehr aus Fachwerk, sondern aus Stein und im Stil des französischen Barock. So dürften Hermann und Behrmann die Königsstraße damals erlebt haben, anders als heute, wo sich hauptsächlich Bauten aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hier aneinander reihen.
Ein besonders bekanntes Bauwerke aus dieser Zeit war das Rathaus, das von Stallknecht bis 1721 erbaut wurde. Wie der größte Teil der Altonaer Altstadt wurde auch dieses Gebäude 1943 durch Bomben zerstört und nicht wieder aufgebaut. Einzig ein Relief an einem Hochhaus (Bild) erinnert heute noch an den Standort und das Aussehen des heute „Altes Rathaus“ genannten Gebäudes am Kopf der Königstraße.
„Auf diesem Wege gab es nichts, was unsere Aufmerksamkeit fesseln konnte, ausgenommen das Altonaer Rathaus, das Waisenhaus und das Krankenhaus.“, schreiben unsere Reisenden über diese Etappe. Wie bereits angeschnitten hat sich das Aussehen der Königstraße seit damals vor allem durch den Zweiten Weltkrieg erheblich gewandelt. So stehen auch das Waisenhaus und das 1764 eingeweihte Krankenhaus an der Königstraße nicht mehr.
Dafür entschädigt allerdings der heute freie Blick auf die 1742 und 1743 errichtete Sankt Trinitatis-Hauptkirche, der Hermann und Behrmann durch Häuser verwehrt blieb. Auch dieses barocke Bauwerk überstand den Krieg nicht unversehrt, es brannte vollständig aus. 1969 wurde die Kirche wiedererrichtet und äußerlich in den historischen Zustand versetzt, im Innern allerdings ist der Saal modern konzipiert worden. Die Trinitatis Kirche war ein wichtiges Bauwerk für Altona und spielte eine zentrale Rolle für Dänemarks Repräsentation: Die Turmspitze ist der der Hamburger Katharinenkirche sehr ähnlich, sie ist in einem, für diese Zeit, sehr modernen Stil errichtet und trägt die Monogramme zweier dänischer Könige- eine große Ehre.

Klopstock/Kirche

Am Ende der Königstraße muss man heute den verkehrsreichen Platz der Republik überqueren, am 1898 im Beisein des Kaisers Wilhelm II. eingeweihten neuen Altonaer Rathaus vorbeigehen und einen kleinen Park betreten. Dieser mit hohen Rhododendronbüschen und schattigen, großen und alten Laubbäumen bepflanzte Park bietet im Sommer eine sehr schöne Atmosphäre. Durch diesen hindurch gelangt man auf den Friedhof, der die Ottensener Christianskirche umgibt und auf dem sich auch das Grab des berühmten Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock befindet.
Die Kirche wurde 1738 eingeweiht und ist im Barocken Stil errichtet. Der Turm wurde von einer vorher am selben Ort stehenden Kirche übernommen und hatte ursprünglich nicht die barocken, langen Bogenfenster, sondern viele kleinere Fenster. Auch die mit Kupfer verkleidete Spitze wurde auf dem Turm erst Ende des 19. Jahrhunderts errichtet. Unseren beiden Reisenden dürfte sich eher ein Anblick geboten haben, der dem nebenstehenden Foto aus dem 19. Jahrhundert nahekommt.
Auf dem Bild deutlich zu sehen ist die von Hermann und Behrmann angesprochene Linde, unter der sich das Grab Klopstocks befindet. Der 1724 in Quedlinburg geborene Dichter wird heute als der bedeutendste Vertreter der literarischen Epoche der Empfindsamkeit angesehen. Goethe, der in der ausklingenden Empfindsamkeit aktiv und bekannt wurde, ließ sich unter anderem von Klopstock prägen- wie auch viele andere mehr oder weniger berühmte Dichter dieser Zeit.
Aufgrund seiner mehrere Jahre in Kopenhagen verbrachten Lebenszeit und vor allem da seine geliebte, erste Frau hier begraben lag, wurde Klopstock schließlich 1803 unter Anteilnahme mehrerer Hundert Personen beigesetzt. Da seine Werke auch nach seinem Tod und nach dem Ende „seiner“ Epoche gelesen wurden, ist es nicht verwunderlich, dass Hermann und Behrmann hier ein wenig verweilen, um ihm Anerkennung zu erweisen.

Rainville

Der Franzose César Claude Rainville floh wie viele seiner Landsleute vor der französischen Revolution und ihren ideologischen Auswüchsen. Das sehr weltoffene Altona war damals Anlaufpunkt für viele Flüchtlinge aus Frankreich, die von den Schrecken des Grand Terreur (Der Terrorherrschaft des Wohlfahrtsausschusses) 1793/94 und zuvor schon von den Revolutionsmilizen gejagt worden waren.
Rainville floh noch vor der Zeit des Grand Terreur, allerdings hatte er nicht wenig Grund, sich aus dem Machtbereich der Französischen Republik zu begeben: Er war damals Adjutant des berühmten Generals Charles-François Dumouriez. Daher war er sicherlich in die Pläne des Generals eingeweiht. Diese sahen vor, zunächst Belgien unter seine Kontrolle zu bringen. Als zweiter Schritt wollte General Dumouriez mit den feindlichen Österreichern gemeinsam nach Paris marschieren und die Republik zugunsten einer konstitutionellen Monarchie beenden. Es stellte sich aber heraus, dass die Regierung von diesen Plänen erfahren hatte.
Als Dumouriez also Anfang April 1793 mit mehreren französischen Hochadeligen und einigen Getreuen aus seinem Armeelager in das österrreichische Armeelager bei Mons flüchtete, war sicherlich auch sein Adjutant Rainville unter diesen.
Ab 1797/98 erstand Rainville die bereits von Christian F. Hansen, einem in Schleswig-Holstein und Dänemark sehr aktiven Architekten, erbaute Villa und gestaltete das Haus so um, dass er eine Gastwirtschaft einrichten konnte. Diese wurde unter seinem Namen binnen kurzer Zeit aufgrund der exquisiten, französischen Küche ein beliebter Anlaufpunkt.
Auch aufgrund des damals sehr oft gerühmten Ausblickes aus dem beliebten kleinen Park der Villa hofierte hier nun die Oberschicht, die von dem Kulinarisch-Kulturellen Ensemble in Bann gezogen wurden. Unter anderem waren hier Heinrich Heine, Franz List und ohne Zweifel auch große Hamburger Kaufmannsfamilien wie die Godeffroys zu Gast. Kein Wunder, lag Rainvilles Garten doch an jenem beliebten Spazierweg nach Blankenese, dem unsere beiden Zeitgenossen wie viele Hamburger damals folgten.
Leider können wir heute nicht mehr wie damals die Aussicht genießen und in Rainvilles Garten speisen, denn mit dem Tod des Gründers 1845, im Alter von 78 Jahren, kam auch der Niedergang der Gastwirtschaft. Die Industrialisierung brachte aus dem unterhalb von Rainvilles immer größer werdenden Altonaer Hafen Lärm und Gestank herüber. Nicht zuletzt deswegen wurde die Wirtschaft 1867 geschlossen und die Villa im selben Jahr abgerissen, das Grundstück fiel dichter Bebauung und Uferabbrüchen anheim. außerdem ist der heute am anderen Elbufer gelegene Containerhafen in keiner Weise mit dem Bild von 1839 zu vergleichen.
Immerhin erinnern drei kleine Dinge an dieses einst so beliebte Ausflugsziel: Die Straße Rainvilleterasse, an der das ehemalige Grundstück liegt, eine Informationstafel an der Böschungskante, welche mitten durch das Gebiet des ehemaligen Parks läuft und zu guter letzt: Das Gebäude der ehemaligen Seefahrtsschule, das 1935 etwa an dem Ort der ursprünglichen Villa gebaut wurde, beherbergt heute im Erdgeschoss ein Restaurant mit dem schönen Namen „Rainvilles Elbterassen“ . Es bietet von der Terrasse einen schönen Blick auf den Containerhafen, der am Abend von orangen Flutlichtern erleuchtet einen sehr schönen Anblick bietet.

Jenischpark

Der Jenischpark ist zweifelsohne einer der beliebtesten Parks Hamburgs .Hermann und Berhmann haben diesen Park allerdings, wie schon erwähnt, nicht besuchen können, da dieser erst seit 1927 frei zugänglich ist. Zuvor war dieses Areal im Besitz des Barons Voght und der Familie Jenisch. Mit letzteren begann auch die Gestaltung des Parks nach dem heutigen Stand. Wir betraten den Park von der Elbchaussee aus durch das Kaisertor, 1906 zu Ehren eines Besuches Kaiser Wilhelms II. errichtet, von dem man nur etwa 20 Meter gehen muss, um einen sehr schönen Blick auf die grünen, weiten Wiesen und die mächtigen Eichenhaine zu erhalten, die den Südbereich des ca. 42. Hektar großen Parks beherrschen. Das Tal der Flottbek gibt dem Park einen hügeligen Schwung, der diese Landschaft tatsächlich zu einem eigenen kleinen Raum werden lässt, der gar nicht nach Norddeutschland aussieht.
1828 kaufte Jenisch die Besitzungen Baron Voghts in Klein Flottbek und ließ das heutige Areal hauptsächlich so umgestalten, als dass er das Jenisch Haus in Auftrag gab und im Norden des Parks einige landschaftliche Änderungen vornahm. In der Folgezeit diente das Areal der Familie Jenisch als Park zur Erholung und als großer Garten- allerding privat.
Dies änderte sich erst 1927, als die Stadt Altona den Park pachtete und damit der Öffentlichkeit zugänglich machte und hernach diesen 1939 schließlich erwarb. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Park als öffentlicher Park und das Jenisch Haus als Gästehaus der Freien und Hansestadt Hamburg genutzt. Seit 1936 auch als Museum genutzt, zeigt das Haus im Inneren großbürgerliche Wohnkultur des 19. Jahrhunderts und verschiedene wechselnde Kunstausstellungen.
Weitere Sehenswürdigkeiten sind die „Eierhütte“, eine kleine Holzhütte im südwestlichen Park, die nach dem historischen Vorbild einer Rasthütte aus der Voghtschen Ära errichtet wurde. Außerdem der Elbblick über die große Wiese vor dem Jenisch Haus und auch das Ernst Barlach Haus, das sich dem Werk dieses expressionistischen Künstlers widmet. Ebenso ist der Pleasureground im Norden des Parks zu beachten. Dieser sieht zwar leider nicht mehr so aus wie zu Jenischs Zeiten, hat aber immer noch den Charakter eines Gartens behalten. Auch werden in den Gewächshäusern wieder tropische Pflanzen ausgestellt, die bereits Jenisch sammelte.

Nienstedtener Kirche

Die Fachwerkbauweise kombiniert mit vielen barocken Elementen der 1751 eingeweihten Kirche, ist typisch für die Dorf- und Bauernkirchen in Norddeutschland aus dieser Zeit. Solche kleineren Gemeindekirchen wurden zumeist aus Mangel an Steinen und finanziellen Mitteln in dieser kostensparenden und dennoch stabilen Bauweise errichtet.
Im damals noch dänischen Schleswig-Holstein umfasste die Gemeinde der Kirche fast den gesamten heutigen Hamburger Bezirk Altona, ausgenommen Ottensen und auch die Stadt Altona selbst. Diese beiden Gemeinden bekamen bereits 1548 und 1650 ihre eigenen Kirchen. Die Einwohner von Blankenese, Dockenhuden, Klein Flottbek, Groß Flottbek, Osdorf, Sülldorf, Rissen und Schenefeld gehörten damals zu den Besuchern der Kirche. Heute haben alle diese Gemeinden eigene Kirchen und zumeist auch Friedhöfe, die hauptsächlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut wurden.
Dem barocken Stil entspricht ebenso die zum allergrößten Teil noch originale Innenausstattung der Kirche. So tragen beispielsweise die Kirchbänke noch immer die Familiennamen der Stifterfamilien, wie es früher üblich war und auch noch heute teilweise praktiziert wird. So ist also auch die von unseren beiden Reisenden beschriebene Szene an der Kirche typisch für einen Sonntag jener Zeit, als Religion noch eine sehr viel größere und zentralere Rolle im Leben der Menschen spielte und der Sonntagsgottesdienst obligatorische Familienangelegenheit war. Nicht nur für die ärmere Landbevölkerung, sondern auch für die besser betuchten Familien in den parkumgebenen Landhäusern.

Baurs Park/Parks

Baurs Park war einer beliebtesten Parks zu Zeiten Hermanns und Behrmanns. Zwar, wie der Jenischpark, in Privatbesitz war er dennoch begehbar, wie unsere beiden Reisenden berichten. Durch die Entrichtung von vier Schilling, die der Eigentümer des Parks, der Altonaer Kaufmann Georg Friedrich Baur für die Armen bestimmte, konnte man das Gelände betreten.
Baur begann 1802 damit, Grundstücke am Elbhang bei Blankenese zu erwerben um sich dort einen Park anlegen zu lassen. Das heute ca. 20 Hektar umfassende Areal ist dank des Altonaer Bürgermeisters Max Brauer (1887-1973) seit 1927 zum größten Teil öffentlich begehbar und erhalten geblieben. Erhalten zwar als Park, allerdings nicht mit allen Sehenswürdigkeiten, die die Augen unserer beiden Vorgänger 1839 sahen: Anstatt des chinesischen Pagodenturmes, für den der Park bekannt war, steht an dieser Stelle seit 1986 ein Leuchtturm. Und auch der von Herrmann und Behrmann beschriebene Granitturm, eine künstliche Turmruine, wie viele Adelige und Wohlhabende sie sich anlegen ließen, um der Landschaft einen altertümlichen Flair hinzuzufügen, existiert nicht mehr.
Eine besondere Stelle des Parks allerdings, der Kanonenberg, ist heute noch zugänglich und bietet eine schöne Aussicht auf die Schiffe auf der Elbe und das andere Elbufer. Nach rechts hin scheint es noch immer grün und bewaldet, nach links erstreckt sich das Gelände von Airbus.
Die Landschaft nordwestlich von Hamburg ist stark durchzogen mit vielen alten Landschaftsparks aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Dies liegt daran, dass in diesen Jahrhunderten Hamburg eine ummauerte Stadt war, in der Platz nur begrenzt verfügbar war. Der verfügbare Raum musste also zum Wohnen und Wirtschaften genutzt werden und aufgrund der meist fehlenden Kanalisation dürfte es auch nicht allzu angenehm gerochen haben in den sich drängenden Scharen von Menschen. Wer es sich also leisten konnte, pachtete oder erwarb ein Grundstück außerhalb der Mauern, um sich dort Erholung zu verschaffen.
Mit dem Aufkommen der Mode des englischen Gartenbaus, bei dem darauf ankam die Natur zwar zu gestalten, aber so, als hätten die Kräfte der Natur die Landschaft geformt, wanderte der Blick für solche Parks in die Gegend zwischen Altona und Blankenese. Diese hügelige und kleinen von kleinen Bächen durchzogene Landschaft eignete sich hervorragend für den englischen Stil. Daher zog es viele gut betuchte Hamburger hierher.
Berühmte und wichtige Familien und Personen bauten hier ihre Landsitze. So zum Beispiel der bereits erwähnte Salomon Heine in direkter Nachbarschaft zu Rainvilles, Caspar Voght und die Familie Jenisch, die Kaufmannsfamilie Godeffroy den Hirschpark und schließlich auch der Altonaer Baur. 1839 allerdings waren diese Parks zumeist noch nicht begehbar, was sich darin wiederspiegelt, dass die meisten Parks gar nicht erwähnt werden.
Zu verdanken haben wir die Erhaltung dieser Parks allerdings hauptsächlich, wie bereits bei Baurs Park, Max Brauer. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 und dem Deutsch-Deutschen Krieg 1866 wurden Altona und Schleswig Holstein Preußisch. Mit der Errichtung der Norddeutschen Zollunion und später der Gründung des Deutschen Kaiserreiches fielen einerseits Hürden für die Hamburger Industrie weg sich auszudehnen. Andererseits führte die prosperierende Wirtschaft und die demografische Entwicklung dazu, dass immer mehr Leute ihre Villen in dieser Gegend bauten. Zusätzlich bekam der Erste Weltkieg den Eigentümern in Verbindung mit der Inflation von 1923 und der Weltwirtschaftskrise nicht sehr gut, was zur Veräußerung und Parzellierung vieler Parks und Grundstücke führte. Einige dieser Parks wurden glücklicherweise auf Brauers Betreiben von der Stadt Altona gekauft und öffentlich zugänglich gemacht.

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